Pigment-Verbot: Alle Tattoos bald nur noch schwarz-weiß?  Von Jonas Klüter, dpa

Den Pigmenten «Blau 15» und «Grün 7» droht das europaweite Verbot
in
Tätowiermitteln. Farbige Motive könnten dann der Vergangenheit
angehören, warnt der Bundesverband Tattoo.

Hamburg/Düsseldorf (dpa/lno) - Die Pigmente «Blau 15» und «Grün 7
»
sind für viele Tätowierer wichtig. Da sie zur Mischung einer sehr
umfangreichen Palette an Farbtönen benötigt werden, sind sie nach
Angaben des deutschen Tattooverbands (Düsseldorf) in fast zwei
Dritteln aller Tattoo-Farben enthalten. Nun gibt es Bestrebungen in
Brüssel, die Pigmente europaweit zu verbieten. Darauf angesprochen,
zeichnet Tattooverband-Sprecher Gordon Lickefett ein düsteres Bild
für die Branche: «Es wird keine Motive mit blauem Wasser oder grüne
n
Wiesen mehr geben. Keine farbenfrohen Naturmotive oder abstrakte
künstlerische Motive».

Die Pigmente «Blau 15» und «Grün 7» seien bereits für die Verwe
ndung
in Haarfärbemitteln verboten, heißt es vom Bundesinstitut für
Risikobewertung (BFR). Ein Beschränkungsvorschlag der Europäischen
Chemikalien Agentur (ECHA), der auch die Pigmente «Blau 15» und «Gr
ün
7» betrifft, liegt den Angaben zufolge bei der Europäischen
Kommission. Dabei gehe es auch um die Einschränkung der Pigmente in
Tätowiermitteln. «Jedoch ist die vorhandene Datenlage zu den
gesundheitsgefährdenden Eigenschaften beider Pigmente unvollständig»,

sagt BFR-Forscher Michel Giulbudagian. Eine vollständige
Risikobewertung ist demnach zurzeit nicht möglich.

Betroffen von einem möglichen Verbot wären in Hamburg über 100
Tattoostudios. In Deutschland hat der Körperkult im Jahre 1946 mit
einem Studio in der Hansestadt seinen Anfang genommen, wie Lickefett
erzählt. Die durch das Verbot veränderte Farbpalette ließe sich
möglicherweise nicht mehr so gut verarbeiten, mutmaßt der Betreiber
der ältesten Tätowierstube Deutschlands, Sebastian Makowski.

Ein Verbot wäre eine Katastrophe für alle Farbtätowierer und deren
Kunden, sagte Tschiggy Lindner, Inhaberin von «Bubblegum Tattoo» auf
dpa-Anfrage. Mögliche Ersatzstoffe könnten in Anbetracht von
Farbbrillanz oder Haltbarkeit keine wirklichen Alternativen
darstellen.

Ein Verbot der Pigmente «Blau 15» und «Grün 7» habe auch drastisc
he
Folgen für den Verbraucherschutz, warnt der Bundesverband Tattoo.
Nach einer eigenen Untersuchung der Inhaltsstoffe aller
handelsüblichen Tattoo-Farben enthielten fast zwei Drittel aller
Farben die beiden Pigmente. Unter dem Druck der Nachfrage könnten
Hersteller und Tätowierer verzweifelte Wege gehen, befürchtet
Lickefett. Demnach könnten Anbieter beispielsweise ihre Produkte als
Künstlerfarben umdeklarieren, um sich dadurch dem Verbot zu
entziehen. «Dies führt unweigerlich zu einem unkontrollierbaren
Zustand für Verbraucher», so Lickefett.

In Hamburg gibt es aber nicht nur das erste Tattoostudio Deutschlands
- sondern womöglich auch bald das erste Studio, das von einem
Schreibwarenhersteller geführt wird. Im Oktober eröffnet Edding im
Chilehaus ein eigenes Tattoostudio mit Farben aus eigener Produktion.

Nach Herstellerangaben enthalten die Farben keine
Konservierungsstoffe und auch die Pigmente «Blau 15» und «Grün 7»

sucht man vergebens: «Eddings Tattoo-Farben verwenden diese Pigmente
und weitere Stoffe nicht, sind daher zukünftig EU-konform», hieß es
von der Pressestelle. Das Projekt befinde sich aber noch ganz am
Anfang. «Wir wissen auch, dass wir durch den Verzicht der beiden
Pigmente vielleicht eingeschränkt sind in der Farbvielfalt», sagt
Knebelkamp.

Als unmittelbare Lösung der Probleme, die sich durch ein mögliches
Verbot der Pigmente ergeben würden, seien die eigenen Farben ohnehin
nicht gedacht, sagt er. Das liegt auch daran, dass der Laden im
Herzen Hamburgs laut Knebelkamp zunächst das einzige Tattoostudio
sein soll, das die Edding-Farben benutzt.

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