Betroffene und Ärztin: Noch Lücken in Long Covid-Versorgung
Auch fünf Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie sehen Betroffene und
Mediziner keine flächendeckende Versorgung von Long Covid-Patienten.
Es brauche mehr Netzwerke und Kompetenzzentren.
Kassel/Breitscheid (dpa/lhe) - Betroffene und Fachleute beklagen auch
fünf Jahre nach Ausbruch der Corona-Pandemie Lücken in der Versorgung
von Long Covid-Patienten. «Die Erfahrung mit den Beschwerden der
Betroffenen und auch mit Therapien nimmt zu, aber eine
flächendeckende Versorgung gibt es nach wie vor nicht», sagte die im
mittelhessischen Breitscheid praktizierende Ärztin Claudia Ellert.
Die Gründe dafür lägen im System, aber auch im Einzelnen.
Ellert ist selbst Betroffene und engagiert sich unter anderem für die
Initiative Long Covid Deutschland. Im November 2020 machte sie eine
Corona-Infektion durch, danach stellten sich Symptome von Long Covid
ein. 2022 veröffentlichte sie ein Buch mit dem Titel «Long Covid -
Wege zu neuer Stärke. Symptome, Behandlungswege, Hilfe zur
Selbsthilfe».
Das Argument, es mangele an Informationen und Therapiemöglichkeiten,
sei nicht mehr haltbar, sagt die Medizinerin. «Das Wissen, das es
gibt, wird zu wenig genutzt in der Versorgung. Und der einzelne Arzt
hat wahrscheinlich zu wenig Patienten, als dass er die ganz große
Routine entwickeln würde.» Es brauche regionale Netzwerke mit
Fachärzten, die durch entsprechend viele Patienten Erfahrungen
sammelten.
Interdisziplinäre Kompetenzzentren nötig
Die Politik sei aufmerksamer geworden und habe viel Geld in die
Forschung und Versorgung der Betroffenen investiert, sagt Nina
Kollmar, Fachärztin für Pädiatrie und Leiterin der Anlaufstelle für
Long Covid bei Kindern und Jugendlichen am Klinikum Kassel. Aber
insgesamt sei die Versorgung dieser Patienten immer noch
unzureichend.
Es brauche unter anderem mehr interdisziplinäre Kompetenzzentren und
mehr Weiterbildung von Haus- und Kinderärzten, damit diese in der
Lage seien, die Patienten weiter zu betreuen. «Es muss jedem klar
sein, diese Erkrankung wird bleiben, und sie hat weitreichende
gesamtgesellschaftliche Folgen», betonte Kollmar.
Die Klinik für Pädiatrische Hämato-Onkologie, Psychosomatik und
Systemerkrankungen im Kinderzentrum des Klinikums Kassel baute
bereits 2021 ein Kompetenzzentrum auf, um betroffene Kinder und
Jugendliche zu unterstützen und zur Erforschung der oftmals schwer
verlaufenden Erkrankung beizutragen. Das sogenannte Pednet-LC Kassel,
das seit Januar vom Bundesgesundheitsministerium gefördert wird, ist
eines von bundesweit 20 spezialisierten Zentren und aktuell als
einziges in Hessen für das gesamte Bundesland zuständig.
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