Aus Wochen wurden Monate: ISS-Raumfahrer vor Rückkehr Von Christina Horsten, dpa
Nur etwa eine Woche sollten Suni Williams und Barry Wilmore im All
sein - daraus wurden mehr als neun Monate. Jetzt steht ihre Rückkehr
an. Das bringt Vorfreude bei den beiden - aber auch Wehmut.
Washington (dpa) - Gut neun Monate später als ursprünglich geplant
stehen zwei seit Juni an Bord der Internationalen Raumstation ISS
gestrandete US-Astronauten vor der Rückkehr zur Erde. Die
Nasa-Astronautin Suni Williams und ihr Kollege Barry «Butch» Wilmore
hatten rund eine Woche auf der ISS bleiben sollen, doch eine Panne an
ihrem «Starliner»-Raumschiff hatte die Rückkehr verzögert.
Am Dienstag (18. März) sollen die beiden nun nach Angaben der
US-Raumfahrtbehörde Nasa gemeinsam mit ihrem Kollegen Nick Hague
sowie dem russischen Kosmonauten Alexander Gorbunow in einem «Crew
Dragon» der privaten Raumfahrtfirma SpaceX von Tech-Milliardär Elon
Musk von der ISS abdocken. Gegen 6.05 Uhr MEZ soll die sogenannte
«Crew 9» die ISS verlassen. Kurz vor 23 Uhr MEZ soll ihre Kapsel dann
im Meer vor der Küste Floridas landen. Diese Planung kann sich
kurzfristig aber auch noch aus verschiedensten Gründen verschieben,
etwa wegen des Wetters. Am Wochenende war eine vierköpfige
Ablöse-Crew zur ISS geflogen.
«Immer auf unbekannte, unerwartete Eventualitäten vorbereitet»
Der 62 Jahre alte Wilmore und die 59 Jahre alte Williams sind
erfahrene Astronauten, die schon mehrfach im All und auf der ISS
waren. «Wir kamen hier rauf und waren darauf vorbereitet, lang zu
bleiben, auch wenn wir geplant hatten, kurz zu bleiben», sagte
Wilmore kürzlich bei einer live von der ISS übertragenen
Pressekonferenz. «Das ist das, was wir in der bemannten Raumfahrt
machen.» Es gehe immer darum, auf «unbekannte, unerwartete
Eventualitäten» vorbereitet zu sein.
Beide waren Anfang Juni mit dem vom US-Luft- und
Raumfahrttechnikkonzern Boeing entwickelten Raumschiff «Starliner»
zur ISS geflogen. Unter anderem wegen Problemen mit den Triebwerken
und Heliumlecks entschied die Nasa aus Sicherheitsgründen, das
Raumschiff leer zurück zur Erde zu holen. Im September flog dann die
«Crew-9» mit nur zwei anstatt der ursprünglich geplanten vier
Raumfahrer in einem «Crew Dragon» zur Raumstation - und machte so
zwei Plätze frei für Williams und Wilmore.
Entscheidung knifflig - aber nicht politisch
Es war eine der kniffligsten Entscheidungen in der Geschichte der
Nasa: Dabei musste sie - neben der Sicherheit der Astronauten als
höchster Priorität - unter anderem auch bedenken, dass diese an Bord
der ISS Extra-Ressourcen verbrauchten - wie etwa Lebensmittel und
Hygiene-Artikel - und zudem höherer Strahlung ausgesetzt waren als
ursprünglich veranschlagt. Die Zukunft des krisengeplagten
Raumschiffs «Starliner» bleibt ungewiss - auch wenn die Nasa nach wie
vor betont, dass ein weiteres Transportsystem als Alternative zum
«Crew Dragon» gewünscht ist.
Politisch sei die Entscheidung nicht beeinflusst gewesen, betont die
Nasa - und auch Wilmore: «Die Politik spielt da überhaupt nicht
rein.» Tech-Milliardär Musk, der mit seinem privaten
Raumfahrtunternehmen SpaceX die «Dragon»-Kapsel entwickelt hat und
derzeit als einer der engsten Mitarbeiter von US-Präsident Donald
Trump agiert, hatte mehrfach behauptet, die Verschiebung sei von der
Vorgängerregierung aus politischen Gründen festgelegt worden. Beweise
dafür hatte er nicht vorgelegt.
Williams: «Werde alles am Weltall vermissen»
Das Ganze sei eine «Achterbahn» gewesen, sagte Astronautin Williams -
und wahrscheinlich noch viel mehr für ihre Familien und Freunde auf
der Erde als für sie selbst. «Wir sind hier. Wir haben eine Mission.
Wir machen einfach das, was wir jeden Tag machen, und jeder Tag ist
interessant, weil wir hier oben im All sind, und das macht Spaß.»
Unter anderem habe sie ein Kartenspiel mit an Bord gebracht, das in
der Freizeit viel benutzt worden sei.
Jetzt freue sie sich darauf, Familie und Freunde wiederzusehen - und
ihre beiden Labrador-Hunde, sagte Williams. Aber sie werde auch
«alles am Weltall vermissen», es habe ihr eine «wunderbare
Perspektive» gegeben. «Ich will diesen Funken der Inspiration und der
Perspektive nicht verlieren, wenn ich gehe, irgendwie muss ich mir
das bewahren.»
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