Wenn's mehr ist als nur Schnupfen - Grippewelle flacht ab Von Marco Busselmaier, dpa
Die Infektionszahlen in Baden-Württemberg sinken. Wird es dabei
bleiben trotz der hohen Ansteckungsgefahr? Und wie schützt man sich
am besten? Wichtige Fragen und Antworten zur Grippewelle.
Stuttgart (dpa/lsw) - Schnupfen, Fieber und Husten: Baden-Württemberg
hat in der Grippewelle so einiges durchgemacht. Jetzt zeichnet sich
eine Trendwende ab. Bleibt's dabei? Fragen rund um die
Viruserkrankung gibt es nach wie vor.
Wie viele Menschen sind aktuell in Baden-Württemberg mit einem
Grippevirus infiziert?
Das lässt sich konkret kaum sagen. Im aktuellen Wochenbericht des
Landesgesundheitsamts Baden-Württemberg zu akut respiratorischen
Erkrankungen, also Krankheiten mit Infektionen der Atemwege, werden
für den Zeitraum zwischen dem 3. und 10. März genau 2.160 Grippefälle
genannt. Dabei handelt es sich jedoch ausschließlich um die durch
einen Labornachweis bestätigten Fälle. Zwei Wochen vorher lag dieser
Wert noch bei 4.335.
Ist ein Ende der Grippewelle in Sicht?
Christiane Wagner-Wiening, die für das Landesgesundheitsamt das
Infektionsgeschehen überwacht, ist vor Bekanntgabe der neuen Zahlen
optimistisch: «Aufgrund der vorliegenden Datenlage zu den gemeldeten
Fällen, gehe ich davon aus, dass die Grippewelle aktuell abebbt.» Im
Vergleich zu den vorherigen Wochen gebe es deutlich weniger
Grippeinfektionen. Auch der Nachweis der Viruslast im Abwasser lasse
diesen Schluss zu.
Mit einem erneuten Anstieg rechnet sie nicht. Das Risiko an der
Grippe zu erkranken sei jedoch weiterhin erhöht.
Wie steckt man sich mit Grippeviren an?
Grippeviren gelangen über die Schleimhäute der Atemwege in den
Körper. Die Ansteckung erfolgt meist durch Tröpfcheninfektion: Beim
Sprechen, Husten oder Niesen geben Infizierte winzige, virushaltige
Partikel in die Luft ab, die von anderen eingeatmet werden. Seltener
erfolgt die Übertragung über kontaminierte Hände oder Oberflächen.
Wie ansteckend ist die Grippe?
«Influenzaviren sind ziemlich ansteckend», sagt Leif Erik Sander,
Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie. Bei
einem direkten Kontakt mit einer erkrankten Person sei das
Ansteckungsrisiko ohne Impfschutz schon hoch, so Sander.
Durchschnittlich vergehen nach der Infektion ein bis zwei Tage, bis
die ersten Symptome auftreten, heißt es vom Robert Koch-Institut
(RKI). Wer erkrankt ist, kann bereits vor den ersten
Krankheitszeichen ansteckend sein. Im Durchschnitt können Erkrankte
ab dem Auftreten der ersten Symptome infektiöse Viren vier bis fünf
Tage lang weitergeben, heißt es vom Robert Koch-Institut. Menschen
mit einer Immunschwäche können aber auch länger Viren ausscheiden.
Wann zirkulieren Erreger besonders stark?
In kälteren Jahreszeiten verbreiten sich Viren besser. Das liegt
daran, dass sich Menschen bei niedrigen Temperaturen eher in
Innenräumen aufhalten. Werden diese aufgrund der niedrigeren
Außentemperatur nicht gründlich gelüftet, können sich die Viren in
der Raumluft anreichern. Ein Infizierter kann andere Menschen dann
leichter anstecken.
Wie kann man sich vor einer Grippeinfektion schützen?
Während der Grippewelle empfiehlt das Robert Koch-Institut in
Innenräumen einen Mund-Nase-Schutz. Auch sinkt die
Übertragungswahrscheinlichkeit, wenn geschlossene Räume regelmäßig
stoßgelüftet werden. Und auch weitere Hygieneregeln sind aus der Zeit
der Pandemie gut bekannt: In den Ellenbogen niesen oder husten etwa
und regelmäßiges Händewaschen.
Woran kann ich erkennen, ob ich Grippe habe?
Grippe kann unterschiedliche Verläufe nehmen. Plötzlich auftretendes
Fieber über 39 Grad Körpertemperatur, Schüttelfrost, starke
Kopfschmerzen, ein fieser, trockener Reizhusten und Atemnot,
Appetitlosigkeit, Kraftlosigkeit und mitunter sogar Augenschmerzen
sind typisch. «Bei einer echten Grippe bin ich richtig krank. Da geht
gar nichts mehr», sagt der Lungenspezialist Markus Rose, ärztlicher
Leiter des Zentrums für angeborene Lungenerkrankungen im Klinikum
Stuttgart. Die Symptome einer Grippe sind oft stärker ausgeprägt als
bei einer klassischen Erkältung
Verläuft die Infektion ohne Komplikationen, bessern sich die
Beschwerden meist nach fünf bis sieben Tagen wieder. Oft bleibt der
Husten für insgesamt zwei bis drei Wochen.
Und wie kommt man nach der Grippe wieder auf die Beine?
Statt Vitamin-C-Tabletten braucht es dann eine ausgewogene Ernährung
mit viel Obst und Gemüse. Wichtigste Verhaltensregel ist aber, den
Körper zu schonen - also ausgiebig zu ruhen und zu schlafen und auf
Sport zu verzichten. Der Grund: «Solche akuten Viruserkrankungen
können auch das Herz-Kreislauf-System schädigen und etwa zu
Herzmuskelentzündungen führen», erklärt Charité-Direktor Sander.
«Zu
frühzeitige körperliche Belastung birgt das Risiko, dass es zu
Komplikationen kommt.»
Bei hohem Fieber können Fiebersenker wie zum Beispiel Paracetamol
oder Ibuprofen helfen. «Man muss hohes Fieber nicht aushalten, weil
das wiederum sehr schwächt. Außerdem schwitzt man dann sehr stark und
kann dehydrieren», sagt Sander.
Was ist denn mit Antibiotika?
Wer sie in der Hausapotheke hat, sollte nicht auf Idee kommen, sie
einzunehmen. Antibiotika sind gegen Viren wirkungslos, warnt das
Portal «infektionsschutz.de». Und ohnehin gilt: Antibiotika nie ohne
ärztliche Verordnung einnehmen.
Auch wenn man sich sehr schlapp fühlt: Ein paar Schritte in der
Wohnung oder im Haus zu gehen, ist jetzt durchaus sinnvoll. «Wenn man
nur still im Bett liegt und sich nicht bewegt, ist das nicht
unbedingt gut», sagt Leif Erik Sander. Das lässt das Risiko für
Thrombosen steigen. Ein bisschen Bewegung und viel zu trinken wirkt
dem entgegen.
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