«Willkommen daheim»: Gestrandete Astronauten zurück auf Erde Von Christina Horsten, dpa
Rund eine Woche sollten Suni Williams und Barry Wilmore an Bord der
ISS sein. Aufgrund einer Panne wurden daraus gut neun Monate. Jetzt
sind sie wieder zu Hause - und «grinsen über beide Ohren».
Washington (dpa) - Nachdem sie wegen einer Raumschiff-Panne rund neun
Monate länger als ursprünglich geplant auf der Internationalen
Raumstation ISS bleiben mussten, sind zwei US-Astronauten zurück auf
der Erde. «Willkommen daheim», hieß es aus dem Kontrollzentrum,
nachdem die «Crew Dragon»-Raumkapsel mit Suni Williams und Barry
Wilmore an Bord vor der Küste des US-Bundesstaates Florida im Meer
gelandet war. Die Szenen wurden live von der US-Raumfahrtbehörde Nasa
übertragen.
«Was für ein Trip», entgegnete der US-Astronaut Nick Hague, der wie
der russische Kosmonaut Alexander Gorbunow ebenfalls mit in der
Kapsel saß und als Kommandant der sogenannten «Crew 9» fungierte.
«Ich sehe eine Kapsel voller Grinsen über beide Ohren.» Die Landung
sei «wunderschön» gewesen, sagte Nasa-Manager Joel Montalbano. «Es
ist großartig, dass wir die «Crew 9» wieder zu Hause haben.»
Lächeln, Winken, Daumen hoch
Rund 17 Stunden zuvor hatte die von der Raumfahrtfirma SpaceX des
Tech-Milliardärs Elon Musk gefertigte Kapsel namens «Freedom»
(Freiheit) von der ISS abgedockt. Nach dem Flug landete sie -
abgebremst von Fallschirmen - bei blauem Himmel und strahlendem
Sonnenschein im Meer nahe der Stadt Tallahassee. Kurz danach
schwammen Delfine um die Kapsel herum, die schließlich per Schiff
abtransportiert wurde.
Auf dem Schiff wurden die vier Raumfahrer aus dem «Crew Dragon»
herausgeholt: erst Hague, dann Gorbunow, dann Williams und zuletzt
Wilmore - alle lächelnd, winkend und mit hochgestreckten Daumen. Im
Anschluss sollten sie medizinisch untersucht und nach Houston
zurückgeflogen werden.
Aus einer Woche im All wurden neun Monate
Williams und Wilmore waren Anfang Juni zur ISS gekommen und sollten
eigentlich nur rund eine Woche dort bleiben. Aufgrund von technischen
Problemen mit ihrem «Starliner»-Raumschiff entschied die Nasa aus
Sicherheitsgründen jedoch, das vom US-Konzern Boeing entwickelte
Raumschiff leer zur Erde zurückfliegen zu lassen. Im September flogen
dann mit Hague und Gorbunow nur zwei anstatt der ursprünglich
geplanten vier Raumfahrer in einem «Crew Dragon» zur ISS - so blieben
zwei Plätze frei für Williams und Wilmore.
900 Stunden Forschung
Die 59-jährige Williams und ihr 62-jähriger Kollege Wilmore waren
zuvor schon mehrfach im All gewesen. Sie gelten als erfahrene
Astronauten. Bei Hague und Gorbunow war es von Anfang an so geplant,
dass sie ein halbes Jahr auf der Raumstation bleiben. Bei Williams
und Wilmore waren es nach Nasa-Angaben letztendlich 286 Tage. Die
«Crew 9» habe an Bord der ISS insgesamt 900 Stunden in Forschung
investiert 150 wissenschaftliche Experimente gemacht.
Die Umplanung bedurfte einiger der kniffligsten Entscheidungen in der
Geschichte der Nasa: So musste neben der Sicherheit der Astronauten
als höchster Priorität auch bedacht werden, dass sie an Bord der ISS
zusätzliche Vorräte wie Lebensmittel und Hygiene-Artikel verbrauchen.
Außerdem waren sie durch den verlängerten Aufenthalt intensiver
Strahlung ausgesetzt als ursprünglich veranschlagt.
«Eine ganze Weile lang feiern»
Die Zukunft des krisengeplagten Raumschiffs «Starliner» bleibt
ungewiss - auch wenn die Nasa nach wie vor betont, dass ein weiteres
Transportsystem als Alternative zum «Crew Dragon» gewünscht
ist. Williams und Wilmore waren zuvor noch nie mit einem «Crew
Dragon» geflogen - und mussten nun vor dem Rückflug an Bord der ISS
das entsprechende Landetraining in abgewandelter Form absolvieren.
Die beiden seien «die ganze Zeit lang sehr resilient» gewesen, sagte
Nasa-Manager Steve Stich bei einer Pressekonferenz kurz nach der
Landung. «Sie wurden nahtlos Teil der ISS.» Er bedankte sich auch
noch einmal ausdrücklich bei den Familien der beiden Astronauten.
«Ich bin mir sicher, ihr Wiedersehen wird wunderbar werden.» Auch die
Nasa werde die sichere Rückkehr der beiden Astronauten «eine ganze
Weile lang feiern».
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