Drei Nebenkläger im Prozess gegen Ex-RAF-Terroristin Klette Von Helen Hoffmann, dpa

Er hatte Todesangst im Geldtransporter, knapp zehn Jahre später wird
der bewaffnete Überfall vor Gericht verhandelt. Im Prozess gegen
Daniela Klette hat der damalige Fahrer eine wichtige Rolle.

Verden (dpa) - Im Prozess gegen die frühere RAF-Terroristin Daniela
Klette gibt es bislang drei Nebenkläger. Dabei handelt es sich um
Opfer der Raubüberfälle, wie eine Sprecherin des Landgerichts Verden
mitteilte. Die Taten hätten bei den Betroffenen tiefe Spuren
hinterlassen, sagte Opferanwalt Steffen Hörning der Deutschen
Presse-Agentur. Der Prozess des Landgerichts Verden beginnt am
Dienstag.

Der Jurist vertritt einen Mann, der am 6. Juni 2015 am Steuer eines
mit rund einer Million Euro beladenen Geldtransporters saß. In Stuhr
nahe Bremen wurde der Wagen von drei Bewaffneten überfallen. «Die
Zeit unmittelbar danach war eine schlimme Zeit», sagte der Anwalt des
Fahrers. «Er war monatelang arbeitsunfähig, er war in einer Klinik,
er war in einer Reha, insbesondere eben aufgrund der psychischen
Belastungen, weil das natürlich ein sehr traumatisierendes Ereignis
war.»

Anwalt: Fahrer hatte Todesangst im Geldtransporter

Bei dem Überfall auf dem Parkplatz eines Supermarkts schnitten drei
Maskierte dem Geldtransporter den Weg ab. Einer schoss auf das
Fahrzeug. Eine Kugel landete im Reifen, zwei drangen in die
Fahrerkabine ein. Erfolglos versuchten die Vermummten, die Türen des
Transporters zu öffnen. Dann flüchteten sie ohne Beute in einem
Wagen. Der Fahrer des Geldtransporters und sein Beifahrer erlitten
einen Schock. Sein Mandant habe damals blanke Todesangst gehabt,
sagte Hörning.

Sichergestellte DNA-Spuren wurden später den seit Jahrzehnten
untergetauchten Ex-RAF-Terroristen Daniela Klette, Ernst-Volker
Wilhelm Staub und Burkhard Garweg zugeordnet. Die Staatsanwaltschaft
wirft Klette und ihren Komplizen vor, zwölf weitere Überfälle auf
Geldtransporter und Supermärkte in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen
und Schleswig-Holstein begangen zu haben.

Nebenkläger «möchte nicht im Mittelpunkt stehen»

Den Überfall in Stuhr werten die Ermittler als versuchten Mord. Sein
Mandant hoffe, dass das Gericht die Tat am Ende des Prozesses als
solchen bewerten wird, sagte Anwalt Hörning. Zudem fordert der Mann
Schmerzensgeld.

Der damalige Fahrer des Geldtransporters wird im Prozess auch als
Zeuge auftreten. Seinem Anwalt zufolge ist das für ihn eine große
Belastung. Sein Mandant habe keine Angst vor Frau Klette, spüre aber
eine große Anspannung wegen der Rolle als Zeuge. Er fürchte eine
konfrontative Befragung und mache sich Gedanken darüber, dass er sich
nicht mehr an alles erinnern könne. «Dieser Mensch möchte nicht im
Mittelpunkt stehen», sagte der Anwalt. Ein hilfreicher Aspekt der
Nebenklage sei, dass er den Mann so auch in seiner Rolle als Zeuge
unterstützen könne.

Fahrer besorgt: Alles könnte wieder von vorn beginnen

Die Hoffnung, mit dem Prozess die Tat und das Erlebte endgültig
abschließen zu können, hat der Nebenkläger demnach nicht. «Er wei
ß
natürlich aufgrund der Berichterstattung, dass Herr Garweg und Herr
Staub noch auf der Flucht sind», sagte Hörning. Sobald einer der
Komplizen festgenommen werde, werde alles wieder von vorn losgehen.

Der Prozess des Landgerichts Verden wird wegen der
Sicherheitsanforderungen im besonders geschützten Staatsschutzsaal
des Oberlandesgerichts Celle eröffnet. Die Ermittler werfen Klette
versuchten Mord, unerlaubten Waffenbesitz sowie versuchten und
vollendeten schweren Raub vor. Die Angeklagte, die über Jahrzehnte im
Untergrund lebte, wurde im Februar 2024 in Berlin festgenommen und
sitzt in Untersuchungshaft.

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