Schumi-Förderer und Formel-1-Legende: Eddie Jordan gestorben Von Thomas Wolfer und Christian Hollmann, dpa

Eddie Jordan ist tot. Der Ire hatte zuletzt selbst seine
Krebserkrankung öffentlich gemacht. Er war Wegbereiter für Ayrton
Senna und Michael Schumacher - und gilt als Erfinder der Boxenluder.

Kapstadt (dpa) - Er war Förderer von Michael Schumacher und Ayrton
Senna, der vielleicht schillerndste Teamchef der Formel 1 - und gilt
als Erfinder des Boxenluders. Ohne Zweifel wäre die Geschichte des
Motorsports ohne den exzentrischen Eddie Jordan um einige wilde
Kapitel ärmer. Im Alter von 76 Jahren ist der Ire in den frühen
Morgenstunden im Kreise seiner Liebsten in Kapstadt nun an den Folgen
einer Krebserkrankung gestorben, wie seine Familie laut britischen
Medien übereinstimmend mitteilte. Jordan sei friedlich eingeschlafen.

«Mit seiner unerschöpflichen Energie verstand er es immer, Menschen
zum Lächeln zu bringen und blieb dabei stets authentisch und
brillant», schrieb die Formel 1 auf der Plattform X: «Eddie war einer
der Protagonisten einer Formel-1-Ära und wir werden ihn sehr
vermissen.»

«Dunkle Tage» durch Krebserkrankung

Jordan, bekannt auch für seinen Spitzbart und die schrillen Outfits,
hatte erst im Dezember öffentlich gemacht, dass er unter Prostata-
und Blasenkrebs leidet und sich die Krankheit anschließend weiter
ausgebreitet hatte. «Es war ziemlich aggressiv», hatte Jordan im
Podcast «Formula For Success» gesagt und über «einige sehr dunkle
Tage» gesprochen.

Jordan, der mit richtigem Vornamen eigentlich Edmund heißt, ist der
frühere Teamchef und Teambesitzer des gleichnamigen Rennstalls. Er
war in den frühen 1990er Jahren Schumachers erster Boss in der Formel
1. Der spätere Rekordweltmeister fuhr 1991 in Spa-Francorchamps sein
erstes und einziges Rennen für Jordan.

Schumacher erhält das Jordan-Cockpit durch Notlüge

«Wer, verdammt noch mal, ist Schumacher?», fragte der charismatische

Jordan, als dessen damaliger Manager Willi Weber den späteren
Superstar als Ersatzfahrer für den Grand Prix in Belgien vorschlug.
Am 25. August 1991 absolvierte der spätere Seriensieger dann
tatsächlich seinen ersten WM-Lauf, der wegen eines Defekts aber schon
nach 500 Meter unglücklich endete.

Möglich war das nur durch eine Notlüge. Weber erzählte Jordan zwar,
dass der damals 22-Jährige den legendären Kurs in den Ardennen
bestens kenne. Doch das stimmte gar nicht. «Aus diesem Grund
schnappte ich mir ein Fahrrad, um dort ein paar Runden zu fahren und
ich erkannte gleich, welch fantastische Strecke dies ist», erzählte
Schumacher später.

Nur mit diesem Trick und viel Überzeugungsarbeit durch Weber bekam
der Kerpener das Cockpit von Bertrand Gachot und durfte hinter das
Lenkrad des Jordan 191. Der Franzose Gachot musste wegen einer
Attacke mit Reizgas auf einen Taxifahrer in London kurzfristig ins
Gefängnis.

Jordan schrieb unzählige Formel-1-Geschichten

Als Fahrer war Jordan selbst in unteren Formel-Klassen aktiv, feierte
einige Siege und durfte sogar ein Formel-1-Auto von McLaren testen.
«Früher hatte ich einmal den Traum, Weltmeister zu werden, doch dann
gelangte ich an den Punkt, an dem ich wusste, dass ich es als Fahrer
nicht schaffen konnte», sagte Jordan einmal.

Also wurde er Chef seines eigenen Teams. In einem seiner Autos fuhr
die spätere PS-Ikone Senna 1982 seine ersten Formel-3-Kilometer. Nach
einigen Erfolgen wagte sich Jordan 1991 schließlich in die Formel 1.

Als Rennstallbetreiber entwickelte er kreative Methoden zur
Geldbeschaffung. Angeblich gaben ihm die Gerichtsvollzieher immer
wieder rechtzeitig Tipps, bevor sie zur Pfändung anrückten, damit er
verschwinden kann.

Frentzen gewann zwei Rennen für Jordan

Jordan erlebte fette Jahre in der Rennserie. Er sicherte sich
lukrative Sponsorendeals, schmiss schrille Partys. Vor der Teamgarage
stolzierten leicht bekleidete Damen herum, darunter eine
gewisse Katie Price. Sie sorgten für eine ganz neue Aufmerksamkeit.
Für Jordan fuhren Weltmeister Damon Hill, Rubens Barrichello, E
ddie
Irvine und eine Reihe von Deutschen. Ralf Schumacher, Heinz-Harald
Frentzen, Nick Heidfeld und Timo Glock heuerte er an.

«Ich kann es kaum glauben, dass du den Kampf gegen die Krankheit
verloren hast. Vielen Dank, dass du mir die Gelegenheit gegeben hast,
meine F1-Karriere in deinem Team zu starten», schrieb Ralf Schumacher
bei Instagram. Dafür werde er Jordan immer dankbar sein. Auch viele
aktuelle Protagonisten trauerten kurz vor dem nächsten Rennen am
Sonntag in China um Jordan. «Die Formel 1 hat eine Legende verloren
und wir werden seinen Witz und seinen irischen Charme vermissen»,
schrieb Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Jordan hatte ein Auge für Talente. Insgesamt gelangen dem Team vier
Grand-Prix-Siege, zwei davon durch Frentzen 1999. Aber mit der
Geldverbrennung der Werksrennställe konnte der Vater von vier Kindern
nicht mithalten. 2005 war Schluss, Jordan verkaufte seine Anteile.
Doch auch später konnte er nicht von der Rennserie lassen und wurde
TV-Experte bei der BBC. Dort sorgte er mit spöttischen Kommentaren
für Lacher, ehe er sich im Alter mehr zurückzog.

Jordan ermutigt Männer zur Vorsorge

Wenige Monate vor seinem Tod ermutigte er Männer im gemeinsamen
Podcast mit dem einstigen Vizeweltmeister David Coulthard zur
Vorsorge. «Schiebt so was nicht auf die lange Bank, sondern lasst
euch testen! Es gibt so viel Hilfe da draußen, um euer Leben zu
verlängern. Seid nicht dumm», sagte Jordan. Es gebe auch keinen
Grund, sich für Untersuchungen oder Arztbesuche zu schämen, sondern
man solle immer gut zu seinem Körper sein.

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