Experte: Sylter-Wal wohl am eigenen Gewicht erstickt
Mitte Februar war auf Sylt der Kadaver eines tonnenschweren Pottwals
geborgen worden. Nun steht die Todesursache wohl fest. Andere Dinge
werden weiter untersucht.
Hörnum/Büsum (dpa) - Der tot vor Sylt geborgene Pottwal ist
vermutlich an seinem eigenen Gewicht erstickt. Davon gehe man derzeit
aus, sagte Joseph Schnitzler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am
Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) in
Büsum der dpa. «Die Tiere sind dafür gebaut, um sich in Wassersäule
n
zu bewegen.» Tidengewässer seien Phänomene, die sie nicht kennen.
Wenn ein Pottwal auf Grund liege, werde er von seinem eigenen
Körpergewicht erdrückt. Zuvor hatte die «Bild» berichtet. «Der
Tidenhub war sein Todesurteil», sagte Schnitzler der Zeitung.
Warum sich der junge Walbulle in die relativ flache Nordsee verirrt
hatte, können die Experten des Instituts, das zur Stiftung
Tierärztliche Hochschule Hannover gehört, aktuell nicht sagen. Als er
vor Sylt entdeckt wurde, war er schon länger tot. Es gebe
verschiedene Hypothesen, warum Wale sich in der Nordsee verirren,
sagte Schnitzler. Dazu gehören etwa der Klimawandel, gestörte
Magnetfelder und der Schiffsverkehr. Aber auch in früheren Zeiten
verirrten sich immer wieder Wale in dieses Gewässer.
Ortungssystem von Pottwalen ist auf Tiefsee ausgelegt
Pottwale, die mehr als 20 Meter lang werden und teils über 50 Tonnen
schwer sein können, sind die größten Zahnwale der Welt. Verirren sich
die Tiere in die flache Nordsee, stranden sie oft - wie 2016, als 30
Pottwale hier verunglückten, davon 12 im deutschen Wattenmeer. Die
Forscher, die die toten Wale 2016 untersuchten, gehen davon aus, dass
es nicht nur einen Grund für die Strandungen gab.
Hinweise auf Krankheiten oder Schwächungen fanden die Forscher damals
nicht. Bekannt ist aber: Geraten die Wale in die flacheren
Randbereiche der Nordsee, funktioniert ihr Ortungssystem nicht mehr
so gut. Denn Pottwale, die sonst bis zu 2.000 Meter tief tauchen,
orientieren sich per Schall über ein Echolot - ein System, das
eigentlich auf die Tiefsee ausgelegt ist.
Untersuchungen an Sylter Wal gehen weiter
Doch auch wenn die Todesursache feststeht, gehen die Untersuchungen
in Büsum weiter. Die Wissenschaftler haben viele Proben genommen, die
weiter analysiert werden. «Wir freuen uns auf die Resultate», sagte
Schnitzler. Auch weil man sehr wenig über junge, männliche Pottwale
wisse. Die Forscher hoffen etwa, etwas über die genetische Herkunft
des Tieres herauszufinden. Zudem soll ein toxikologisches Profil
erstellt werden. Im Fettgewebe von Walen sind etwa Chemikalien und
andere Schadstoffe teilweise sehr lange nachweisbar.
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