«Alptraum wird wahr»: Was Trumps Zölle für die Welt bedeuten Von Julia Naue, Christiane Jacke, Ansgar Haase und Alexander Sturm, dpa

Trump setzt auf drastische Zölle für 185 Handelspartner weltweit.
Damit steht die Welt an der Schwelle zu einem Handelskrieg. Was kommt
auf den Handel, die deutsche Wirtschaft und Verbraucher zu?

Washington (dpa) - Wochenlang hat US-Präsident Donald Trump mit einem
XXL-Zollpaket gedroht. Nun hat Trump seine Pläne präsentiert. Sie
sind nicht nur komplex, sondern auch beispiellos in ihrem Umfang. Was
sind die Folgen für die Weltwirtschaft, Deutschland und Verbraucher?

Was hat Trump angekündigt?

Die USA belegen ab Samstag Einfuhren aus allen Ländern pauschal mit
Zöllen von zehn Prozent. Zudem kündigte die US-Regierung einen
komplexen Mechanismus an, der für viele Länder höhere Zölle vorsieh
t.
Dieser wird ab 9. April gelten. Ein Berater Trumps bezeichnete diese
Länder als «schlimmste Übeltäter». Gemeint sind solche, mit denen
die
USA nach Auffassung der Trump ein besonders großes Handelsdefizit
haben. 

Die Amerikaner sprechen an dieser Stelle von wechselseitigen Zöllen -
also von einem Prinzip der Gegenseitigkeit. Viele Länder erschwerten
den Import von US-Produkten, das könne man sich nicht länger bieten
lassen. Washington bezieht sich dabei nicht nur auf Zölle, sondern
auch Handelshemmnisse wie Subventionen, strenge Einfuhrvorgaben,
Diebstahl geistigen Eigentums und Währungsmanipulation in ihre
Kalkulation mit ein. Diese Barrieren seien «weit schlimmer» als die
eigentlichen Zölle.

Die US-Regierung hat für jedes Land einen Prozentsatz ermittelt, der
sowohl Zölle als auch andere Handelshemmnisse abbilden soll. Daraus
leitet sich der entsprechende Zoll auf Importe aus diesen Ländern ab.
Er ist je etwa halb so hoch, wie der von den Amerikanern ermittelte
und schwer überprüfbare Wert. Warum nur die Hälfte? Trump sagt: «Wi
r
sind gute Menschen.»

Was heißt das für Deutschland und die EU?

Für die EU heißt das, dass Exporte ihrer Mitgliedsländer in die USA
ab kommender Woche mit einem Zoll von 20 Prozent belegt werden.
Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ist in Trumps
Zoll-Liste nicht einzeln aufgeführt, sondern fällt unter die
Bestimmungen für die EU. «Europas schlimmster wirtschaftlicher
Alptraum ist gerade wahr geworden», meint Carsten Brzeski, Chefökonom
der Bank ING. 

Trump kritisiert die EU nicht nur für höhere Zölle, er moniert auch
die in Europa erhobene Mehrwertsteuer als bedeutende Handelsbarriere
für US-Produkte. Das Argument ist fragwürdig, denn die Mehrwertsteuer
wird für Produkte aus der EU gleichermaßen fällig. Die Amerikaner
haben errechnet, dass die EU Zölle in Höhe von 39 Prozent auf
US-Importe verhänge - dabei sollen alle Handelshemmnisse
berücksichtigt sein. Wie genau die US-Regierung diesen Wert ermittelt
hat, ist unklar.

Wie hoch sind die Zollhürden bisher?

Die EU gibt an, dass es aus technischen Gründen schwer sei, einen
absoluten Wert zu ermitteln, da sich ein Durchschnitt auf sehr
unterschiedliche Weise berechnen lasse. «Legt man jedoch den
tatsächlichen Warenhandel zwischen der EU und den USA zugrunde, so
liegt der durchschnittliche Zollsatz in der Praxis auf beiden Seiten
bei etwa einem Prozent», betont die EU-Kommission. 

Die Zollunterschiede mit der EU sehen Fachleute in den meisten
Bereichen als eher klein an. Die große Ausnahme ist der Agrarsektor,
wo die EU-Zölle teils deutlich höher sind als in den USA -
insbesondere auf Milchprodukte, Fleisch, Zucker und Geflügel.

Dem Ifo-Institut zufolge beträgt die Zolldifferenz zwischen den USA
und der EU im Schnitt nur 0,5 Prozentpunkte - im Vergleich mit der
nun angekündigten Zollerhöhung von 20 Prozent. Mit «gegenseitig» ha
be
das Vorgehen von Trump nichts zu tun. 

Was kommt auf Verbraucher zu?

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erwartet immense
wirtschaftliche Folgen. «Millionen von Menschen werden mit höheren
Lebensmittelrechnungen konfrontiert sein. Medikamente werden teurer,
ebenso der Transport. Die Inflation wird ansteigen. Und dies schadet
vor allem den wirtschaftlich schwächsten Bürgern», erklärte sie. 


Die deutsche Pharmabranche warnt vor Folgen für die
Gesundheitsversorgung. Denn die Bundesrepublik importierte 2024
Pharmazeutika im Wert von 12,2 Milliarden Euro (17 Prozent) aus den
USA sowie gut zwölf Prozent der Vorprodukte, etwa Grundstoffe und
Chemikalien, so der Verband forschender Arzneimittelhersteller (VFA).
Bei einem Handelskrieg könnten sich Vorprodukte stark verteuern oder
zeitweise ganz fehlen, meint VFA-Chefvolkswirt Claus Michelsen.
«Damit würde die Arzneiproduktion in Deutschland unter Druck geraten
mit Folgen für die Medikamentenversorgung und die Beschäftigten in
der Pharmaproduktion.»

Was droht der deutschen Wirtschaft?

Deutschland ist als Exportnation von Trump Zolloffensive besonders
betroffen. Die USA sind Deutschlands wichtiger Handelspartner vor
China und den Niederlanden und größter Abnehmer deutscher Exporte.
2024 wurden Waren im Wert von rund 253 Milliarden Euro zwischen
Deutschland und den Vereinigten Staaten gehandelt. Dabei lieferten
deutsche Firmen Waren im Wert von gut 161 Milliarden Euro in die USA,
gut zehn Prozent aller Exporte. 

Das Ifo-Institut erwartet für die deutsche Wirtschaft «zunächst einen

dauerhaften Rückgang des BIP um 0,3 Prozent», wie Handelsexpertin
Lisandra Flach schreibt - wobei einige Schlüsselbranchen wie Pharma,
Auto und Maschinenbau stärker betroffen seien. Und
Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer schätzt, dass das deutsche
Bruttoinlandsprodukt über zwei Jahre insgesamt um ein halbes Prozent
sinkt. 

Wie wichtig sind die USA für deutsche Schlüsselbranchen?

Nicht nur auf die deutschen Autobauer kommen mit den bereits zuvor
verkündeten Sonderzöllen von 25 Prozent hohe Belastungen zu. Die USA
sind der wichtigste Exportmarkt für die deutsche Autoindustrie. 

Die neuen US-Zölle sind für weitere Schlüsselindustrien gefährlich.

So exportierten die deutschen Maschinenbauer 2024 Maschinen und
Anlagen im Wert von 27,4 Milliarden Euro in die USA - gut 13 Prozent
der gesamten Branchenausfuhren. Und die Chemieindustrie lieferte 2024
Erzeugnisse im Wert von 10,2 Milliarden Euro in die Vereinigten
Staaten, ein Anteil von fast 8 Prozent. Noch wichtiger ist der
US-Markt für die deutsche Pharmabranche: 2024 gingen Waren im Wert
von 27 Milliarden Euro und damit knapp ein Viertel (23,6 Prozent) der
hiesigen Pharmaexporte in die USA, so der VFA. 

Wie geht es nun weiter?

Trump hat einen nationalen Notstand ausgerufen. Als Grund nennt die
US-Regierung wirtschaftliche und sicherheitspolitische Risiken
angesichts der Handelsdefizite mit anderen Ländern. Ein Trump-Berater
machte klar, dass andere Länder nicht einfach niedrigere Zölle auf
US-Importe ankündigen könnten, um Zollerleichterungen seitens der USA
zu erreichen. Das Weiße Haus erklärt: «Die Zölle bleiben in Kraft,

bis Präsident Trump feststellt, dass die durch das Handelsdefizit und
die zugrunde liegende ungleiche Behandlung verursachte Bedrohung
beseitigt, gelöst oder gemindert wurde.»

Gibt es Sonderregeln?

Die USA haben bereits vor Trumps gewaltiger Zollankündigung diverse
Strafabgaben auf bestimmte Produkte verhängt, die weiter greifen. So
sollen ab heute Zölle in Höhe von 25 Prozent auf alle in die USA
importierten Autos gelten, für Autoteile soll diese Strafmaßnahme
spätestens am 3. Mai greifen. Auch auf alle Stahl- und
Aluminiumeinfuhren erheben die USA Zölle in Höhe von 25 Prozent. Für

bestimmte Importe aus Kanada und Mexiko werden ebenfalls Strafabgaben
fällig - es gibt aber bestimmte Ausnahmen. 

An all diesen spezifischen Zöllen ändert sich nun wohl erst einmal
nichts - die neuen Zollregelungen finden hier den Angaben nach keine
Anwendung. Ein hochrangiger Regierungsvertreter machte auch deutlich,
dass Trump bald sogar noch weitere spezifische Strafmaßnahmen für
bestimmte Produktgruppen verhängen könnte - egal aus welchem Land sie
kommen. Explizit nannte er dabei: Halbleiter, Arzneimittel und
kritische Mineralien. 

Wie reagiert die EU?

Die EU bereitet Gegenmaßnahmen vor, bleibt aber gesprächsbereit. «Wir

finalisieren bereits das erste Maßnahmenpaket als Reaktion auf die
Stahlzölle und bereiten nun weitere Maßnahmen vor, um unsere
Interessen und Unternehmen zu schützen, falls die Verhandlungen
scheitern», sagt EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.
Zugleich betont sie, es sei noch nicht zu spät für Verhandlungen und
appelliert an die US-Seite, sich auf Gespräche einzulassen. Ziel
müsse es sein, Handelshemmnisse abzubauen und nicht, sie zu erhöhen.

Welche Gegenmaßnahmen sind geplant?

Details nannte von der Leyen zunächst nicht. Nach Angaben aus
Kommissionskreisen würden sie aber unter anderem die Einführung
weitreichender Gegenzölle beinhalten. Zudem werden Abgaben auf
digitale Dienstleistungen von US-Unternehmen in der EU erwogen. Sie
könnten die Plattform X von Trump-Unterstützer Elon Musk und Firmen
wie Google, Amazon oder Netflix treffen. Bereits angekündigt ist,
dass Mitte April die derzeit ausgesetzten Sonderzölle auf US-Produkte
wie Jeans, Bourbon-Whiskey, Motorräder und Erdnussbutter wieder
eingeführt werden. Dies ist aber die Reaktion auf die US-Sonderzölle
auf Stahl- und Aluminiumimporte, die bereits in Kraft getreten sind.

Welche Angebote könnte die EU in Verhandlungen machen?

Neben Zollsenkungen auf Waren wie US-Autos gelten neue Abkommen als
Option. Nach Einschätzung der EU-Kommission könnten die EU und Trump
etwa einen neuen Deal zum Ausbau amerikanischer Exporte von
Flüssiggas (LNG) schließen. «Wir bekommen immer noch viel LNG aus
Russland, warum also nicht stattdessen amerikanisches LNG einsetzen,
das günstiger für uns ist und unsere Energiepreise senkt», sagte von

der Leyen bereits im vergangenen Jahr. Zudem wäre es möglich, mehr
Militärtechnik und Agrargüter aus den USA zu importieren.

Wie sind die Erfolgsaussichten?

Das ist unklar. In seiner ersten Amtszeit ließ sich Trump durch einen
Deal zur Förderung der EU-Importe von US-Produkten wie Soja,
Rindfleisch und Flüssiggas davon abhalten, den bereits damals
bestehenden Handelskonflikt weiter zu eskalieren. Für die
Verhandlungen war damals Jean-Claude Juncker zuständig, der seitdem
den Ruf hat, ein «Trump-Flüsterer» zu sein. 

Der Deutschen Presse-Agentur sagte er vor wenigen Monaten in einem
Gespräch: «Man sollte Trump mit Respekt begegnen und das ernst
nehmen, was er sagt und mit ihm in der Substanz Verhandlungen
führen.» Trump sei «nicht der Mann, der große Verträge schließt
- er
hätte gerne einen Deal.» Also müsse man ihm etwas anbieten, was ihm
erlaube, «innenpolitisch über die Hügel und Berge zu kommen».

Online-Wechsel: In drei Minuten in die TK

Online wechseln: Sie möchten auf dem schnellsten Weg und in einem Schritt der Techniker Krankenkasse beitreten? Dann nutzen Sie den Online-Beitrittsantrag der TK. Arbeitnehmer, Studenten und Selbstständige, erhalten direkt online eine vorläufige Versicherungsbescheinigung. Die TK kündigt Ihre alte Krankenkasse.

Jetzt der TK beitreten





Zur Startseite